Ziergräser haben sich in den letzten Jahren zu unverzichtbaren Elementen im modernen Staudenbeet entwickelt. Sie bringen Leichtigkeit und Bewegung in die Pflanzung, wenn der Wind durch ihre Halme streicht, und liefern zugleich Textur und Struktur, die das ganze Jahr über trägt. Besonders im Herbst und Winter entfalten viele Gräser ihre volle Wirkung: mit Frost und Schnee überzogen wirken sie wie stehengebliebene Skulpturen und halten das Beet auch in der kalten Jahreszeit attraktiv. Welche Art die richtige ist, entscheidet dabei vor allem der Standort.
Für sonnige, trockene Lagen eignen sich schmalblättrige, horstig wachsende Gräser besonders gut. Stipa tenuissima, das Mexikanische Federgras (40–60 cm), lässt seine federleichten Halme schon im leisesten Luftzug tanzen. Festuca glauca, der Blau-Schwingel (20–30 cm), setzt mit seinem stahlblauen Laub eine ruhige Kontrastfarbe zu blühenden Stauden und bleibt niedrig genug für die vordere Beetreihe. Helictotrichon sempervirens, der Blaustrahlhafer (60–90 cm), fällt mit aufrechtem Wuchs und schimmernden Blättern auf und gibt derselben Pflanzung etwas mehr Höhe. Alle drei brauchen einen gut durchlässigen Boden, denn Staunässe führt bei Gräsern rasch zu Wurzelfäule.
In sonnigen, normal-feuchten Lagen ist Calamagrostis x acutiflora, das Reitgras (120–150 cm), eine exzellente Wahl. Es wächst straff aufrecht, bestimmt als Leitgras die Höhe im Beet und zieht mit seinen eleganten Blütenständen im Spätsommer die Aufmerksamkeit auf sich. Besonders die Sorte 'Karl Foerster' ist wegen ihrer Standfestigkeit und Winterhärte geschätzt; sie bildet einen schönen Kontrast zu weicheren Stauden wie der Prachtscharte (Liatris spicata) oder der Hohen Fetthenne (Sedum spectabile). Pennisetum alopecuroides, das Lampenputzergras (60–80 cm), begeistert mit seinen flauschigen, herbstlichen Ähren, die im Licht schimmern und Insekten anziehen. Seine kompakte, buschige Wuchsform macht es zur ersten Wahl für kleinere Gärten und vordere Beetreihen, wo es gut zu niedrigeren Stauden wie der Katzenminze (Nepeta) oder dem Mädchenauge (Coreopsis) passt.
Für den Halbschatten gibt es ebenfalls überzeugende Kandidaten. Hakonechloa macra, das Japanische Berggras (40–60 cm), begeistert mit seinem goldgelben Herbstlaub. Seggen (Carex spp.) stellen mit zahlreichen Arten für feuchte Schattenlagen eine große Bandbreite an Texturen und Farben bereit, und Deschampsia cespitosa, die Rasenschmiele, bringt mit ihren lockeren Blütenständen eine natürliche Leichtigkeit ins Beet.
Wer Höhe und Fernwirkung sucht, greift zum Chinaschilf (Miscanthus sinensis). Mit seinen hohen, eleganten Halmen und den federartigen Blütenständen eignet es sich hervorragend als Hintergrundpflanze in großen Beeten und harmoniert besonders gut mit spätblühenden Stauden wie der Sonnenbraut (Helenium) oder der Herbst-Anemone (Anemone hupehensis). Molinia caerulea, das Pfeifengras, besticht durch seine filigrane Erscheinung und die goldgelbe Herbstfärbung. Es lässt sich gut mit der Rutenhirse (Panicum virgatum) verbinden, die mit ihren luftigen Rispen und der roten Herbstfärbung eigene Akzente setzt.
Als Blühpartner bewähren sich neben den bereits genannten Stauden auch Echinacea purpurea (Purpur-Sonnenhut), Rudbeckia fulgida (Gewöhnlicher Sonnenhut), Agastache foeniculum (Anis-Ysop) und Phlox paniculata (Hohe Flammenblume). Sie ergänzen sich farblich und fügen sich mit den Gräsern zu einem harmonischen Gesamtbild. Planen Sie die Pflanzung so, dass die Stauden zu verschiedenen Zeiten blühen und die Gräser jeweils den ruhigen Hintergrund dazu geben. Wer die Blütezeiten bewusst staffelt, erhält ein Beet, das von der ersten Blüte im Frühling bis zum letzten Frost immer wieder neue Akzente setzt.
Ein besonderes Augenmerk verdient die Unterscheidung zwischen sommergrünen und immergrünen Gräsern, denn sie bestimmt die Pflege. Sommergrüne Gräser wie Miscanthus, Pennisetum und Calamagrostis dürfen ihre Halme über den Winter behalten und werden erst im Februar oder März bodennah zurückgeschnitten, rechtzeitig vor dem Neuaustrieb; so entsteht Platz für den frischen Trieb im Frühling. Immergrüne Gräser wie der Blau-Schwingel (Festuca glauca), das Bärenfellgras (Festuca gautieri) oder der Blaustrahlhafer werden dagegen im Frühjahr nur leicht gestutzt und geben dem Beet auch in der kalten Jahreszeit Struktur und Farbe. Eine gute Mulchschicht hilft, den Boden feucht zu halten und Unkraut zu unterdrücken.
Neben ihrer ästhetischen Rolle erfüllen Ziergräser auch eine ökologische Funktion: Sie bieten Lebensraum und Nahrung für zahlreiche Insekten und Kleintiere, gerade weil ihre Halme bis zum Spätwinter stehen bleiben. Ein sonniger Platz und ein durchlässiger Boden sind für die meisten Arten ideal. Aus der Kombination von Gräsern und Stauden entsteht so ein dynamisches, sich im Jahresverlauf wandelndes Bild, das den Gartenbesitzer ebenso bereichert wie die Natur.
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