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Lebensbereiche der Stauden nach Hansen & Stahl

📖 4 Min. Lesezeit · Staudenplan.de Redaktion · 2026-06-04

Das Konzept der "Lebensbereiche" nach Richard Hansen und Friedrich Stahl (1981) hat die Staudenverwendung in der Gartenplanung revolutioniert, indem es eine systematische Methode zur Auswahl und Kombination von Pflanzen bietet, die den natürlichen Standortbedingungen entsprechen. Diese Methode basiert auf der Beobachtung, dass Pflanzen in der Natur in bestimmten Lebensbereichen vorkommen, die durch spezifische Umweltbedingungen wie Licht, Feuchtigkeit und Bodenbeschaffenheit gekennzeichnet sind. Die wichtigsten Lebensbereiche, die Hansen und Stahl definiert haben, sind Freifläche, Gehölzrand, Gehölz, Wasserrand und Wasser. Diese Kategorien helfen Gartenplanern und Gärtnern, Pflanzen so auszuwählen, dass sie optimal gedeihen und ästhetisch ansprechend wirken. Werden Gartenstandorte nach ihren natürlichen Vorbildern eingeteilt, entsteht ein harmonisches Bild bei minimalem Pflegeaufwand.

Der Lebensbereich der Freifläche umfasst offene, sonnige Standorte, die oft trockene und nährstoffarme Bedingungen aufweisen. Hier eignen sich Stauden wie die Färberkamille (Anthemis tinctoria) und der Steppen-Salbei (Salvia nemorosa), die mit intensiver Sonneneinstrahlung und wenig Wasser gut zurechtkommen. In dieser steppenartigen Ausprägung gedeihen ebenso Sonnenanbeter wie der Sonnenhut (Echinacea spp.), der Gelbe Sonnenhut (Rudbeckia spp.), der Bartfaden (Penstemon spp.) und die Duftnessel (Agastache spp.). Sie kommen mit normalen bis trockenen Böden zurecht, blühen oft von Sommer bis Herbst und sind pflegeleicht, solange sie genügend Licht und Raum zum Wachsen haben. Eine Mulchschicht hält die Feuchtigkeit im Boden und reduziert den Unkrautdruck.

Feuchtere Freiflächen und Wiesengebiete stellen andere Ansprüche. Dort sind Stauden wie die Sonnenbraut (Helenium spp.), der Knöterich (Persicaria spp.), das Mädesüß (Filipendula spp.), der Kandelaberehrenpreis (Veronicastrum spp.) und der Wiesenknopf (Sanguisorba spp.) zu Hause. Diese Pflanzen lieben frische bis feuchte Böden und blühen ebenfalls von Sommer bis in den Herbst; ein Rückschnitt nach der Blüte fördert buschigeres Wachstum und die Blütenbildung im folgenden Jahr. Am trockenen Ende der Skala steht der Steingarten mit sehr durchlässiger Erde, in dem Fetthenne (Sedum spp.), Hauswurz (Sempervivum spp.), Nelken (Dianthus spp.), der Blut-Storchschnabel (Geranium sanguineum) und Thymian (Thymus spp.) ideal sind. Sie blühen in der Regel vom späten Frühling bis in den Sommer und sind sehr robust, brauchen aber eine gute Drainage, damit keine Staunässe entsteht.

Beim Gehölzrand handelt es sich um den Übergangsbereich zwischen offenen Flächen und Wäldern, wo Halbschatten und mäßig feuchte bis wechselfeuchte Bedingungen vorherrschen. Pflanzen wie der Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum) und die Elfenblume (Epimedium x versicolor) sind hier ideal, da sie sowohl mit Schatten als auch mit etwas Sonne umgehen können. Gut geeignet sind außerdem Storchschnabel-Arten (Geranium spp.), die Akelei (Aquilegia spp.), der Fingerhut (Digitalis spp.), die Wiesenraute (Thalictrum spp.) und das Salomonssiegel (Polygonatum spp.). Diese Stauden blühen meist von Frühling bis Frühsommer und ziehen mit ihren Blüten zahlreiche Insekten an. Die Bodenfeuchte sollte regelmäßig geprüft werden, damit die Wurzeln nicht austrocknen.

Im Lebensbereich des Gehölzes, der durch tiefen Schatten oder Halbschatten und humusreiche, feuchte Böden gekennzeichnet ist, gedeihen Arten wie der Waldmeister (Galium odoratum) und die Schatten-Glockenblume (Campanula latifolia). Ebenso wohl fühlen sich hier Astilbe (Astilbe spp.), Hosta (Hosta spp.), Rodgersia (Rodgersia spp.), Actaea (Actaea spp.) und verschiedene Farn-Arten. Da diese Pflanzen zu unterschiedlichen Zeiten blühen, ergibt sich eine kontinuierliche Blütenfolge vom späten Frühjahr bis in den Herbst. Für die Gestaltung bewährt es sich, hohe Arten wie die Rodgersia in den Hintergrund zu setzen und Hosta und Astilbe im Vordergrund für Struktur sorgen zu lassen. Regelmäßiges Gießen in trockenen Phasen erhält die Vitalität dieser Pflanzungen.

Der Wasserrand ist ein Lebensbereich, der sich durch wechselnde Wasserstände und feuchte Böden auszeichnet. Hier sind Pflanzen wie die Sumpfdotterblume (Caltha palustris) und der Blutweiderich (Lythrum salicaria) gut geeignet, da sie zeitweise Überflutung tolerieren; am Teichrand und in Feuchtgebieten kommen die Sumpf-Schwertlilie (Iris pseudacorus) und der Gilbweiderich (Lysimachia spp.) hinzu. Diese Stauden vertragen Sonne wie Halbschatten und lieben feuchte bis nasse Bedingungen. Eine Kombination mit größeren Gräsern verleiht dem Teichrand Stabilität und ein ruhiges Gesamtbild. Schließlich umfasst der Lebensbereich Wasser Pflanzen, die vollständig oder teilweise im Wasser leben, wie die Seekanne (Nymphoides peltata) und die Wasserfeder (Hottonia palustris), die in Teichen oder Wasserläufen eingesetzt werden können.

Für die Planung ist es wichtig, die spezifischen Bedingungen des Gartens genau zu analysieren und die geeigneten Lebensbereiche zu identifizieren. Dabei sollte man nicht nur auf die Lichtverhältnisse und Bodenbeschaffenheit achten, sondern auch auf die Feuchtigkeitsverhältnisse und die klimatischen Bedingungen. Die Auswahl der Pflanzen sollte so erfolgen, dass sie den natürlichen Gegebenheiten entsprechen, um Pflegeaufwand zu minimieren und ein harmonisches Gesamtbild zu schaffen. Denn Stauden, die nicht in ihrem passenden Lebensbereich stehen, sind meist pflegeintensiver und kürzerlebig, während sie am richtigen Standort über Jahre hinweg vital bleiben. Eine geschickte Kombination von Stauden aus den verschiedenen Lebensbereichen kann zudem die Artenvielfalt fördern und den Garten das ganze Jahr über attraktiv gestalten. Bei der Planung ist es hilfreich, Pflanzpläne zu erstellen, die die verschiedenen Lebensbereiche und ihre Übergänge berücksichtigen, um eine natürliche und zugleich strukturierte Gestaltung zu erreichen.

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🌿 Im Artikel erwähnte Stauden

Purpur-Storchschnabel
Purpur-Storchschnabel
Geranium sanguineum
Wiesenraute
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Thalictrum aquilegiifolium
Korea-Duftnessel
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Agastache rugosa
Sibirische Schwertlilie
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Iris sibirica

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